
Selbstmarketing ist kein lautes Trommeln. Es ist die Kunst, dein Profil klar zu zeigen, wertvolle Rückmeldungen einzuholen und konsequent kleine Schritte zu gehen – bis andere ganz selbstverständlich sehen, was du kannst und wofür man dich buchen, einstellen oder weiterempfehlen sollte.
Im Beitrag bekommst du: eine einfache Struktur, Beispiele aus dem Alltag, und eine 7-Tage-Challenge mit Mini-Aufgaben, die du sofort umsetzen kannst.
Wirkung: Wie du rüberkommst – und wie du es steuern kannst
Kernfrage: Welches Bild sollen andere von mir haben?
Starte mit drei Bausteinen:
- Ich bin … (Identität/Profil)
- Ich kann … (Fähigkeiten/Belege)
- Ich will … (Ziel/Nutzen für andere)
Beispiel:
Ich bin Organisationsprofi mit Ruhe im Sturm, ich kann komplexe Abläufe vereinfachen und Teams entlasten, ich will Projekte so strukturieren, dass alle schneller fertig werden.
Diese Ich bin – ich kann – ich will-Formel eignet sich perfekt für Elevator Pitch, LinkedIn-About und Kurzvorstellung in Meetings. Sie ist simpel, klingt nicht angeberisch und lässt sich leicht üben.
Mini-Übung (5 Minuten):
– Schreibe je einen Satz für bin/kann/will. Lies sie laut vor.
– Streiche Füllwörter.
– Füge einen Beleg hinzu (Zahl, Projekt, Resultat).
Haltung: Glaubenssätze, die dich sichtbar machen
Viele von uns tragen Sätze mit, die Selbstmarketing bremsen: «Gib nicht so an!», «Die anderen merken schon, was du kannst.» – nett gemeint, aber hinderlich. Ersetze diese bremsenden Glaubenssätze durch wirksame Alternativen:
- Aus «Ich will nicht angeben» wird «Ich zeige meinen Beitrag – konkret und respektvoll.»
- Aus «Das kann doch jeder» wird «Ich belege meinen Wert mit Beispielen und Zahlen.»
- Aus «Sie fragen schon, wenn sie etwas brauchen» wird «Ich mache proaktiv Angebote, die passen.»
Solches Reframing ist kein «Mindset-Zauber», sondern eine nützliche Arbeitshypothese: Du testest neue Sätze im Alltag und behältst, was wirkt. Diese Haltung gehört zu jedem Selbstpräsentations-Training.
Umsetzung:
Feedback gezielt nutzen
Wir sind selten komplett objektiv, wenn es um die eigene Wirkung geht.
Darum: Feedback aktiv einholen – kurz, klar, freundlich. Frag drei Personen aus verschiedenen Perspektiven (Kollegin, Ex-Chef, Kundin oder Deinen Coach bei OPUS Coaching):
- «Wobei wendest du dich spontan an mich?»
- «Welche zwei Stärken fallen dir bei mir auf?»
- «Wenn du mir einen Tipp geben könntest, was wäre der wichtigste?»
Sammle die Antworten, markiere Muster (Worte, die wiederkehren) und übersetze sie in Belege («in drei Projekten Prozesszeit um 20 % reduziert»). Genau dieser externe Spiegel beschleunigt dein Selbstmarketing
Dein Nutzenversprechen (Value Proposition) auf einer Linie
Nutze die Formel:
Für [Zielgruppe] löse ich [Problem/Aufwand], indem ich [Leistung/Arbeitsweise], sodass [konkreter Nutzen/Resultat].
Beispiele:
- Backoffice-Allrounderin: Für kleine Teams entschärfe ich Termin- und Doku-Stress, indem ich Abläufe straffe und Vorlagen erstelle, sodass alle pro Woche 3–5 Stunden sparen.
- Quereinsteiger IT-Support: Für KMU entzerre ich wiederkehrende Supportfälle, indem ich Wissensartikel schreibe und Tickets triagiere, sodass Anfragen schneller und eindeutiger gelöst werden.
Pack das in E-Mail-Signatur, an den Anfang deines CV-Profils und ins LinkedIn-Headline oder auf die Website.
Wusstest Du: LinkedIn ist ideal um ein persönliches Netzwerk aufzubauen um Dich bei der Stellensuche zu unterstützen!
Sichtbar werden – ohne Lärm
Leise, aber wirkungsvoll funktioniert so:
- Mikro-Belege posten: Vorher-Nachher-Mini-Story in 4 Sätzen (Ausgangslage → was du getan hast → Resultat → Lerneffekt).
- 1× pro Woche sichtbar: Kurzer Post Kommentar mit Mehrwert, in Deinem LinkedIN oder ein «How-to» im Teamchat.
- Beziehungs-Radar pflegen: Drei relevante Kontakte pro Woche anpingen («Kurzer Tipp für dich …», «Habe an dich gedacht bei …»).
Umgang mit Nervosität
Nervosität ist normal – und oft ein Zeichen von Bedeutung. Drei Dinge helfen sofort:
- Vorbereitung in Bausteinen (bin/kann/will + 2 Belege, schreibe es auf und nimm es zum Vorstellungsgespräch mit).
- Zeitpuffer vor Auftritten. Sei beispielsweise etwa 20 bis 30 Minuten vor einem Vorstellungsgespräch vor Ort, gehe etwas spazieren.
- Ritual vor dem Start: einmal tief atmen, aufrecht hinsetzen/stehen, ersten Satz klar sprechen. Diese Basics senken die Kurve zuverlässig.
Die 7-Tage-Challenge (mit Mikro-Aufgaben)
Jeden Tag 10–15 Minuten – mehr nicht. Nach einer Woche bist du deutlich sichtbarer und klarer positioniert.
Tag 1 – Profil schärfen
Schreibe ich bin / ich kann / ich will. Kürze auf insgesamt 60–80 Wörter. (Optional: einer Vertrauensperson vorlesen.)
Tag 2 – Glaubenssatz-Check
Notiere drei Sätze, die dich bremsen. Formuliere pro Satz eine hilfreiche Alternative. Lies die neuen Sätze laut vor.
Tag 3 – Feedback einholen
Schicke drei Menschen drei Kurzfragen (s. Abschnitt Umsetzung). Trage Antworten in einer Liste zusammen.
Tag 4 – Nutzenversprechen
Bau dein Value Proposition-Statement. Teste zwei Varianten (eine für Kunden, Vorgesetzte oder ähnliches sowie eine für Dein Vorstellungsgespräch).
Tag 5 – Mini-Beleg
Schreibe eine 4-Satz-Story (Vorher-Nachher). Hebe eine Zahl oder ein konkretes Ergebnis hervor.
Tag 6 – Sichtbarkeits-Minute
Poste oder teile deinen Mini-Beleg (intern oder extern zB LinkedIN). Alternativ: ein konstruktiver Kommentar unter einem passenden Beitrag.
Tag 7 – Kurz-Pitch üben
Sprich 60 Sekunden frei (bin/kann/will + 1 Beispiel). Nimm dich auf. Höre zu. Streiche, was holpert. Wiederhole einmal.
Häufige Stolpersteine – und schnelle Lösungen
- «Ich will nicht angeben.»
→ Sprich über Beitrag und Nutzen, nicht über «Grösse». Zahlen helfen: «Bearbeitungszeit um 18 % gesenkt.» - «Ich habe noch nicht genug Erfolge.»
→ Nimm Lernresultate und Mikro-Fortschritte: «Checkliste eingeführt, Rückfragen halbiert.» - «Ich weiss nicht, was andere an mir sehen.» → Feedback-Dreiklang (Stärken, Anlass, Tipp) aktiv anfordern.
- «Ich vergesse, sichtbar zu bleiben.»
→ Wöchentlicher Termin (15 Min, fix im Kalender): ein Post, eine Nachricht, ein Update im Profil.
OPUS-Arbeitsblatt (DIY)
Nimm ein leeres Blatt Papier und setze diese vier Felder untereinander:
- Profil (bin/kann/will)
- 3 Belege (Zahl/Resultat, 1-Satz)
- Nutzenversprechen (Formel aus Abschnitt 4)
- Nächster Sichtbarkeitsschritt (eine Aktion diese Woche)
Hänge das Blatt an deinen Monitor an deinen Spiegel im Badezimmer. Jede Woche 1 Punkt aktualisieren – fertig.
Fazit
Selbstmarketing funktioniert, wenn es klein, konkret und regelmässig ist. Mit klarer Wirkung (bin/kann/will), einer unterstützenden Haltung (Glaubenssätze, die tragen) und konsequenter Umsetzung (Feedback, Mikro-Schritte) wirst du sichtbar – ohne dich zu verbiegen. Genau dort beginnt nachhaltige berufliche Wirkung.
Hinweis: Einige der Übungen (Kurzvorstellung, Glaubenssatz-Arbeit, Feedback-Check) stammen aus bewährten Selbstpräsentations-Settings mit Gruppenarbeiten und Kurz-Pitches; sie funktionieren einzeln genauso gut im Selbststudium.


